Vergleich der Gebäudeversicherung in der Schweiz: Das gilt es zu beachten
In der Schweiz schliessen über 90% der privaten Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine freiwillige Zusatzversicherung für ihr Gebäude ab, da die obligatorischen kantonalen Gebäudeversicherungen (KGV) meist nur Feuer- und Elementarschäden abdecken. Bevor du einzelne Angebote vergleichst, solltest du dir überlegen, welche Versicherungen für dein Gebäude sinnvoll sind. Dieser Ratgeber hilft dir dabei.
Gebäudeversicherung Schweiz: Der Inhalt in Kürze
- Deckung: In den kantonalen Gebäudeversicherungen sind zentrale Risiken nicht gedeckt: Dazu zählen insbesondere Wasserschäden infolge von Leitungsbruch oder Kanalisationsrückstau, grobfahrlässig verursachte Schäden, Haftpflichtansprüche Dritter sowie Glasbruch.
- Zusätze: Die Zusätze 'Gebäudewasserversicherung' und 'Grobfahrlässigkeitsschutz' sind für die meisten Wohnimmobilien sinnvoll.
- Angebotsauswahl: Lass dich beraten und achte beim Vergleich darauf, dass die Police für dich wichtige Deckungen enthält, ein moderater Selbstbehalt (max. ca. 500 CHF) gewählt ist und die Versicherungssumme dem tatsächlichen Wiederaufbauwert entspricht.
Ist die Gebäudeversicherung obligatorisch in der Schweiz?
Ja, abgesehen von den Kantonen Genf, Wallis, Tessin und weiten Teilen von Appenzell Innerrhoden ist eine Gebäudeversicherung für Feuer- und Elementarschäden obligatorisch in der Schweiz. Im Kanton Appenzell Innerrhoden ist sie nur im Bezirk Oberegg gesetzlich vorgeschrieben.
Bis auf die sogenannten GUSTAVO-Kantone (Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden) haben alle Kantone in der Schweiz eine obligatorische kantonale Gebäudeversicherung. In den Kantonen Uri, Schwyz und Obwalden müssen Gebäude bei einer privaten Versicherung gegen Feuer- und Elementarschäden versichert werden.
Wie ist die Gebäudeversicherung in der Schweiz geregelt?
Die meisten Kantone in der Schweiz haben eine obligatorische kantonale Gebäudeversicherung (KGV), die für Schäden am Gebäude durch Feuer und Elementarereignisse aufkommt. Ausgenommen sind die sogenannten 'GUSTAVO-Kantone', die keine kantonale Gebäudeversicherung haben. Mit dem Akronym 'GUSTAVO' sind die Kantone Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden gemeint.
In den Kantonen Uri, Schwyz und Obwalden müssen Gebäude über eine private Versicherung gegen Feuer- und Elementarschäden versichert werden. In den Kantonen Genf, Wallis und Tessin gibt es hingegen keine gesetzliche Versicherungspflicht für Gebäude. Auch hier können Gebäude über eine private Versicherung versichert werden. Im Kanton Appenzell Innerrhoden gilt nur im Bezirk Oberegg eine Versicherungspflicht. Hier müssen Gebäude bei der bezirkseigenen 'Assekuranzverwaltung Oberegg' versichert werden.
Da die obligatorischen kantonalen Gebäudeversicherungen nur für Feuer- und Elementarschäden aufkommen, schliessen über 90% der Schweizer Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine freiwillige Zusatzversicherung ab, die weitere Risiken abdeckt. Je nach Kanton können bestimmte Zusatzrisiken, wie etwa Wasser- oder Glasdeckungen, auch bei der kantonalen Gebäudeversicherung optional eingeschlossen werden.
Welche Risiken decken die kantonalen Gebäudeversicherungen ab und welche nicht?
Die kantonalen Gebäudeversicherungen decken in der Regel nur Schäden am Gebäude, die durch Feuer, Rauch oder Elementarereignisse entstehen. Folgende Schäden sind hingegen meistens nicht durch die kantonale Gebäudeversicherung gedeckt:
- Wasserschäden durch defekte Leitungen oder Rückstau der Kanalisation
- Grobfahrlässig verursachte Schäden
- Glasbruch am Gebäude (zum Beispiel am Wintergarten)
- Vandalismus
- Schäden an der Gebäudetechnik (Wärmepumpe, Solaranlage, Lift etc.)
- Schäden an baulichen Erzeugnissen wie Pools, Gartenhäuschen, Mauern sowie Bepflanzungen im Garten
- Schäden durch Erdbeben
- Schäden durch Marder und Insekten
- Schäden bei Dritten (zum Beispiel durch einen heruntergefallenen Ziegel)
- Rechtsstreitigkeiten
Solche Schäden können über eine private Versicherung zusätzlich versichert werden. In einigen Kantonen können bestimmte Risiken, wie Wasser- oder Glasdeckungen optional in die Police der kantonalen Gebäudeversicherung aufgenommen werden.
Welche Zusatzversicherungen für Gebäude sind sinnvoll?
Ob eine Zusatzversicherung für dein Gebäude sinnvoll ist, hängt von den Merkmalen deines Gebäudes ab sowie von deinen Versicherungsbedürfnissen. Die einzelnen Zusatzversicherungen haben eine sehr unterschiedliche Verbreitung in der Schweiz. Die folgenden Werte sind grobe Schätzungen aus Marktanalysen und öffentlich verfügbaren Daten des SVV und können je nach Region und Anbieter variieren. In den FAQ findest du weitere Infos zu jeder Zusatzversicherung. Lass dich am besten kostenlos und unverbindlich von unserer Partnerin, der Mobiliar, beraten.
- Gebäudewasserversicherung: 90% der Wohneigentümer
- Grobfahrlässigkeit: 60% der Wohneigentümer
- Glasbruchversicherung für Gebäude: 50% der Wohneigentümer
- Gebäudetechnikversicherung: 20% der Wohneigentümer
- Solarversicherung: 30% der Wohneigentümer mit Solaranlage
- Erdbebenversicherung: 15% der Wohneigentümer
- Umgebungsversicherung: 10% der Wohneigentümer
- Gebäudekaskoversicherung: < 10% der Wohneigentümer
- Gebäudehaftpflichtversicherung: 80% der Wohneigentümer
- Immobilien-Rechtsschutz: 25% der Wohneigentümer
FAQ zu den Zusatzversicherungen für Gebäude
Eine Gebäudewasserversicherung ist grundsätzlich bei jedem Wohngebäude sinnvoll und wird von Banken bei der Vergabe von Hypotheken meistens verlangt. Sie schützt vor den Kosten durch Leitungsbrüche, Rückstau der Kanalisation oder Frostschäden. Die kantonale Gebäudeversicherung kommt hingegen nur für Elementarschäden auf (zum Beispiel durch Hochwasser).
Ein Grobfahrlässigkeitsschutz ist grundsätzlich für alle Wohneigentümerinnen und -eigentümer sinnvoll, da zum Beispiel Brände häufig grobfahrlässig entstehen (Beispiel: Kerze unbeaufsichtigt brennen lassen). Ohne den Grobfahrlässigkeitsschutz kann die Versicherung im Schadenfall die Leistung kürzen. Die Versicherungsprämie für diesen Zusatz ist meistens gering.
Eine Glasbruchversicherung für Gebäude lohnt sich vor allem bei Gebäuden mit grossen Glasfronten, Wintergärten oder teuren Spezialverglasungen sowie bei Gebäuden, die häufig Vandalismus ausgesetzt sind. Bei Häusern mit kleinen Fenstern kannst du das Risiko für Glasbruch auch selbst tragen. Die Glasbruchversicherung ist auch in der Gebäudekaskoversicherung enthalten und enthält in der Regel einen Maximalbetrag.
Obwohl die Schweiz kein Hochrisikogebiet ist, können Erdbeben zu Totalverlusten führen. Diese sind durch kantonale Gebäudeversicherungen entweder nicht oder nur unzureichend gedeckt. Eine Erdbebenversicherung ist deshalb für Eigentümerinnen und Eigentümer sinnvoll, die einen Totalverlust ihrer Immobilie finanziell nicht verkraften könnten oder in Regionen mit erhöhter Gefährdung wohnen. Dazu gehören zum Beispiel Basel und das Wallis.
Eine Umgebungsversicherung ist sinnvoll, wenn du eine aufwändige Gartenarchitektur besitzt mit Pools, Biotopen, Gartenmauern oder wertvollen Bepflanzungen. Während die Gebäudeversicherung meist an der Hauswand endet, deckt dieser Zusatz Elementarschäden an baulichen Erzeugnissen und Bepflanzungen auf dem Grundstück. Wichtig: Die kantonalen Gebäudeversicherungen haben eine unterschiedliche Handhabe, was alles zum Gebäude gehört.
Eine Gebäudetechnikversicherung lohnt sich bei modernen Immobilien mit technischen Anlagen wie Wärmepumpen, Liftanlagen, Lüftungssystemen oder Smart-Home-Technik. Im Gegensatz zur Grundversicherung der kantonalen Gebäudeversicherungen deckt sie auch Schäden durch innere Defekte wie Kurzschlüsse, Materialfehler oder Fehlbedienungen. Sobald die Herstellergarantie abgelaufen ist, schützt die Gebäudetechnikversicherung vor hohen Reparaturkosten.
Eine Solarversicherung ist grundsätzlich bei jeder Immobilie mit Solaranlage sinnvoll. So decken die kantonalen Gebäudeversicherungen zwar meistens Hagel- und Feuerschäden an der Solaranlage; Ertragsausfälle, Marderbisse an Kabeln und technische Defekte sind hingegen nur durch die Solar-Zusatzversicherung gedeckt. Eine solche Zusatzversicherung ist insbesondere bei Solaranlagen mit teuren Batteriespeichern empfehlenswert, da sie die Investition absichert. Wichtig: Ertragsausfälle sind nicht bei jeder Solarversicherung vollumfänglich gedeckt.
Eine Gebäudekaskoversicherung ist insbesondere bei Gebäuden sinnvoll, die häufig Ziel von Vandalismus sind oder in einem Marder-Hotspot stehen. Wenn du dein Gebäude selbst bewohnst, übernimmt die Gebäudekasko meistens auch einige versehentlich verursachte Schäden wie zum Beispiel am Parkett, an den Lavabos, am Glaskeramikherd oder an den Fenstern. Marderschäden lassen sich bei einigen Anbieterinnen auch über einen separaten Nagerschäden-Baustein versichern, der günstiger ist als die Gebäudekasko.
Die Gebäudekasko wird manchmal auch 'Gebäude-All-Risk' oder 'Allgefahrendeckung' genannt. Trotz ihres Namens gibt es bei sämtlichen Gebäudekaskoversicherungen Ausschlüsse wie etwa normale Abnutzung, Baugrundmängel und vorsätzliche Schäden.
Eine Gebäudehaftpflichtversicherung ist grundsätzlich sinnvoll, wenn du dein Gebäude vermietest oder verpachtest. In diesem Fall reicht der Versicherungsschutz der Privathaftpflichtversicherung meistens nicht mehr aus. Die Abgrenzung zur Privathaftpflicht hängt von der konkreten Police ab. Hier lohnt sich ein Blick in die Versicherungsbedingungen.
Ein Immobilien-Rechtsschutz ist vor allem für Immobilieneigentümerinnen und Immobilieneigentümer sinnvoll, die ein Umbauprojekt planen oder ihre Immobilie vermieten oder verpachten möchten. So gehen juristische Konflikte im Zusammenhang mit Immobilien schnell ins Geld.
Weiter kann sich ein Immobilien-Rechtsschutz lohnen, wenn du deine Immobilie nicht selbst bewohnst. In diesem Fall kommt der Privatrechtsschutz nämlich häufig nicht für Nachbarschaftskonflikte auf. Beachte, dass du bei vielen Rechtsschutzversicherungen nach Abschluss eine Wartefrist von drei Monaten hast, bis die Versicherung für juristische Konflikte aufkommt.
Zusammenfassung: Was ist beim Vergleich der Zusatzversicherungen für Gebäude zu beachten?
Lass dich ergänzend zu deiner Recherche persönlich beraten. Achte beim Vergleich der Angebote darauf, dass sie mindestens eine Gebäudewasserversicherung und einen Grobfahrlässigkeitsschutz umfassen und höchstens einen Selbstbehalt von 500 Franken vorsehen. Höhere Selbstbehalte lohnen sich im Vergleich zu den Mehrkosten im Schadenfall meistens nicht. Achte bei jedem Zusatz-Baustein auf Maximalbeträge und Ausschlüsse.
Stelle ausserdem sicher, dass die Versicherungssumme mit dem effektiven Wiederaufbauwert entspricht. Dies gilt auch in Bezug auf Pools und Gartenmauern. Bei älteren Gebäuden und angesichts steigender Baukosten besteht die Gefahr einer Unterversicherung.
Prüfe zudem, ob Einbruchschäden am Gebäude durch die Hausratversicherung der Bewohnenden gedeckt sind, und nimm Einbruchschäden im Zweifelsfall in die Police auf. Wenn du auf dem Land in der Nähe eines Waldrandes wohnst, solltest du dein Gebäude zudem gegen Marderschäden versichern.