Gemüse anstatt Trams

Im ungenutzten Innenhof des alten Tramdepots Burgernziel hat die Berner Stadtgärtnerei einen Garten eingerichtet. Aber nur solange, bis die mobilen, mit Erde gefüllten Einheiten der geplanten Überbauung Platz machen müssen.

Das gesamte Material – Erde, Giesskannen, Gartenhacken etc. – wird von der Stadtgärtnerei zur Verfügung gestellt. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um einen Gemeinschaftsgarten wie beispielsweise im Le Port in Fribourg. Ob Einkaufswagen, Holzkiste, Sack oder Gemüsekisten, jeder, der möchte, kann hier für 10 bis 20 Franken im Jahr seine ganz persönliche Pflanzeinheit mieten. Bestimmte Vorkenntnisse sind nicht nötig, aber das Giessen sei eine «Fleissarbeit», sagt Katja Jucker, die als Vermittlungsperson zwischen den Garteninteressierten und Stadtgrün Bern, so nennt sich die Berner Stadtgärtnerei, fungiert.

Deshalb stammen auch die meisten Urban Gardener aus der direkten Nachbarschaft: «Die Leute kommen meistens vor oder nach der Arbeit vorbei. Da kommt es sehr gelegen, wenn man gleich um die Ecke wohnt.» Aber auch, wer mal längere Zeit abwesend ist oder in den Ferien weilt, muss keine Angst haben, dass seine Ernte verdurstet. Dafür hat sich Katja Jucker nämlich etwas Praktisches einfallen lassen: «Wer nicht selber vorbeikommen kann, der steckt ein Fähnlein in sein Beet. So weiss der Gärtner des Nachbarbeets, dass er diese Einheit auch gleich bewässern soll.»

Ob Einkaufswagen, Gemüsekiste, Sack oder Palette - eine Pflanzeinheit kann im  alten Tramdepot für 10 bis 20 Franken im Jahr gemietet werden. Ob Einkaufswagen, Gemüsekiste, Sack oder Palette - eine Pflanzeinheit kann im alten Tramdepot für 10 bis 20 Franken im Jahr gemietet werden.

Wurzeln in der Politik

Aufgrund eines politischen Vorstosses wurde Stadtgrün Bern vor einigen Jahren damit beauftragt, das Gärtnern in der Stadt zu fördern und ungenutzte Brachflächen in urbane Gärten zu verwandeln. So kam es, dass seit 2013 auf dem Gelände des alten Tramdepots Burgernziel anstatt Trams ein Gemüsegarten steht. Einzig der alte grüne Bus, der vom Tramverein Bern zur Verfügung gestellt wurde, erinnert noch an die frühere Funktion des Depots. Er dient heute als eine Art Gewächshaus und beherbergt vor allem Tomaten, da diese nicht gerne verregnet werden und bei etwas wärmeren Temperaturen besser wachsen.

Der Stadtgarten wird nicht ewig bestehen bleiben. Sobald nämlich im Burgernziel mit der geplanten Überbauung begonnen wird, werden die Pflanzeinheiten den Baggern weichen müssen. Wann genau dies der Fall sein wird, ist jedoch noch unklar. Bis dahin gärtnern die rund 40 Personen – von Teenies bis Senioren sind alle Alterskategorien vertreten – fleissig weiter.

Der alte Bus dient heute als Gewächshaus und schützt die empfindlichen Tomaten. Der alte Bus dient heute als Gewächshaus und schützt die empfindlichen Tomaten.
Katja Jucker, verantwortlich für den Garten im alten Tramdepot, kümmert sich um die Pflanzen im Bus. Katja Jucker, verantwortlich für den Garten im alten Tramdepot, kümmert sich um die Pflanzen im Bus.

Gärtnern ist wie Kochen

Gründe, Urban Gardening zu betreiben, gäbe es viele, sagt Katja Jucker. So fördere der Selbstanbau unter anderem die Wertschätzung für Lebensmittel. Denn, «wer monatelang und mit grossem Aufwand selber Gemüse anbaut, der isst auch mal einen nicht ganz makellosen Salat, anstatt ihn einfach wegzuwerfen.» Auch wer keinen grünen Daumen hat, könne sich ein Gärtchen anlegen. Schliesslich sei Gärtnern wie Kochen: «Viele Leute behaupten, sie hätten keine Ahnung vom Kochen, aber sie können sich meistens doch etwas zu Essen zubereiten.»

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