Preisrückgang bei Wohneigentum und Mieten im 2017– und im 2018?

Im Video-Interview mit Daniel Hügli, Chefredaktor von cash.ch spricht ImmoScout24-Director Martin Waeber über die Entwicklung der Immobilienpreise und erklärt, warum der Traum vom Eigenheim für viele Schweizerinnen und Schweizer zu platzen droht.

Martin Waeber im Video-Interview mit Daniel Hügli von cash.ch.

Gemäss Swiss Real Estate Offer Index sind die Immobilienpreise im vergangenen Jahr sowohl beim Wohneigentum wie auch bei den Mietobjekten zurückgegangen. Während die Einfamilienhäuser ein Minus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, nahmen die Angebotspreise für Eigentumswohnungen um 4 Prozent ab.

„Die Preise für Eigentumswohnungen sind deshalb stärker zurückgegangen, weil es mehr davon gibt und viele weiterhin gebaut werden. Das heisst, das Angebot wird bei gleichbleibender oder leicht rückläufiger Nachfrage weiter ausgebaut“, erklärt ImmoScout24-Director Martin Waeber. Die Anzahl Einfamilienhäuser sei hingegen auch räumlich bedingt limitiert, das Angebot mehr oder weniger stabil. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage weiterhin hoch – jeder möchte lieber ein freistehendes Haus anstelle einer Eigentumswohnung.

Mieten statt Kaufen – ein neuer Trend?

Allerdings scheint der Traum von den eigenen vier Wänden für viele Schweizerinnen und Schweizer zu platzen. Denn trotz fallender Immobilienpreise bleiben die Preise für ein Eigenheim in der Schweiz sehr hoch. Nur noch weniger als 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung könnten sich ein Eigenheim leisten, sagt Waeber.

Grund dafür seien vor allem die strengen Kriterien für die Vergabe von Hypotheken. Wer ein Wohnobjekt für 1 Million Franken kaufen möchte, muss 200‘000 Franken Eigenkapital mitbringen und 180‘000 bis 200‘000 Franken im Jahr verdienen. Die meisten Kreditanfragen scheitern dabei an der Tragbarkeitsberechnung, bei welcher Banken simulieren, welche Folgen der Zinsanstieg auf 5 Prozent für einen potenziellen Hauskäufer hätte. Müsste dieser in einer solchen Situation mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Bedienung der Schulden aufwerfen, verweigert ihm die Bank den Kredit. Nebst der Tragbarkeitsberechnung kommt noch das Thema verschärfte Eigenkapitalanforderungen erschwerend dazu.

Laut Martin Waeber sei Mieten aufgrund der steigenden Leerstände und der schweizweit sinkenden Mietpreise in den letzten Monaten aber sowieso wieder attraktiver geworden. Nicht zuletzt profitierten die Mieter im Juni 2017 auch von einer Herabsetzung des Referenzzinssatzes auf das Allzeittief von 1,5 Prozent. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preise im 2018 entwickeln und ob sich ein Trend vom Kaufen hin zum Mieten abzeichnet.