„Eigentumswohnungen sind attraktiver als Einfamilienhäuser“

ImmoScout24-Director Martin Waeber spricht im Video-Interview mit Pascal Züger, Redaktor von cash.ch, über das Risiko einer Immobilienblase, den Einfluss des Brexit auf den Schweizer Immobilienmarkt und die Preisentwicklungen von Kaufobjekten.

Martin Waeber äussert sich im cash-Talk unter anderem über den Brexit und dessen Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt.

Das Risiko einer Immobilienblase ist gering

Gemäss Martin Waeber, Director von ImmoScout24, gibt es zurzeit keine Immobilienblase. Es bestehe zwar teilweise eine Überbewertung von Immobilien, was aber nachfrage- und nicht spekulationsgetrieben sei. Die eingeführten Regulierungsmassnahmen hätten zu einer Marktberuhigung geführt. Trotzdem verlocken die tiefen Hypothekarzinsen nach wie vor viele Privatpersonen zum Kauf eines Eigenheims. Heutzutage werden aber fast ausschliesslich Finanzierungen abgeschlossen, bei denen die Tragbarkeit vollumfänglich gegeben ist.

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf den Schweizer Immobilienmarkt?

Durch den Brexit sind die Kurse an den Finanzmärkten erneut massiv eingebrochen und dadurch werden Immobilienanlagen weiter gestärkt, da Immobilien für Anleger als sicherer Hafen gelten und so sehr attraktiv sind. Wird die Wohnungsproduktion dadurch weiter steigen, andererseits die Schweizer Wirtschaft gleichzeitig weniger stark wachsen und die Zuwanderung unabhängig von der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative abnehmen, würde dies zu einem Angebotsüberhang führen, welcher auf die Mietzinsen drückt. Die anhaltend rekordtiefen Hypothekarzinsen werden aber die Nachfrage beim Wohneigentum auf solidem Niveau behalten.

Wohnungs- vs. Hauskauf

Die Angebotspreise von Eigentumswohnungen sind seit Anfang 2016 gestiegen, während die Preise für Einfamilienhäuser stabil geblieben sind. Diese Preisentwicklungen seien vor allem aufgrund der unterschiedlichen Nachfrage zu erklären, sagt Martin Waeber. Eigentumswohnungen seien heutzutage besonders attraktiv, da „die Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor in städtischen Regionen leben möchte, in denen Wohneigentum meist in Form von Eigentumswohnungen vorhanden ist.“ Zudem seien Eigentumswohnungen preislich tendenziell tiefer angesetzt als Einfamilienhäuser und deshalb auch für Haushalte mit kleinerem Budget erschwinglich.

Obwohl die Anschaffungskosten für eine Eigentumswohnung meist geringer sind als für ein Einfamilienhaus, zeigt sich beim Betrachten der Quadratmeterpreise ein anderes Bild. Schweizweit liegt der Preis für einen Quadratmeter Nettowohnfläche für Stockwerkeigentum bei nahezu 7150 Franken. Bei einem Einfamilienhaus kostet ein Quadratmeter Nettowohnfläche 5993 Franken. Dies zeigen die Zahlen des Swiss Real Estate Offer Index (Mai 2016). Somit lässt sich sagen, dass die Anschaffungskosten und damit die Eigenkapitalanforderung für ein Einfamilienhaus zwar höher sind als bei einer Eigentumswohnung, man aber für gleich viel Geld wie bei einer Eigentumswohnung mehr Platz erhält.

 

 

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