Ratgeber: Garten & Freizeit

 
 

Baumdesign: Schnittiges Holz
Ist der Ast einmal ab, dann ist er ab. Zwar wächst dann irgendwo etwas nach. Doch zwischen einem «Laienschnitt» und einer formvollendeten Baumgestaltung liegen Welten. Ein Besuch beim Profi.
29.05.2012 Markus Brupbacher

Eiben sind äusserst schnittverträglich.
Eine Eibe im Form geschnitten.
Bäume und Sträucher stutzt man nicht bloss zurück – man kann sie regelrecht formen. Einer, der weiss, wie man die Wandlung vom unförmigen zum wohlgeformten Gehölz schafft, ist Andreas Anderegg, Gründer und Inhaber der Firma Gehölzexperte.ch.

Zusammenspiel von Formen
Andreas Andereggs Formgehölze sind veritable Kunstwerke. Sein schmuckes, privates Arboretum ist durchdacht und zeigt, wie schön und zugleich platzsparend Formgehölze sein können. Die Zusammenspiel der verschiedenen Figuren ist eindrücklich: Schirme, Spiralen, Kissen, Kugeln, Säulen oder Kegel.

Für kleine Gärten
Formgehölze eignen sich auch ganz besonders für kleinere Gärten, denn für einen bäumigen Schattenspender braucht es nicht zwingend einen Hochstamm. Dies führt der Fachmann an einer buschigen Magnolie vor, welche er durch Formschnitt in einen filigranen Schirmbaum verwandelt. Dessen ausladende Krone spendet Schatten und lädt zum Verweilen ein (siehe Bildstrecke in der Fotogalerie).

Die 30 Jahre alte, buschige und mehrstämmige Magnolie ‹Susan› wurde noch nie geschnitten.
Die Magnolie vor dem Schnitt.
Magnolie wird zurechtgestutzt
Ausgerüstet mit Schutzhelm, Sicht- und Gehörschutz sowie einer kleinen Motorsäge verschwindet Andreas Anderegg in der mehrstämmigen Magnolie. Sie ist rund 30 Jahre alt und noch nie geschnitten worden. Die äusseren Stämme mit ihren Ästen und Zweigen reichen bis zum Boden. Diese werden zuerst abgeschnitten und fallen wie die Blätter einer Artischocke nach aussen.

Charakter offenlegen
Danach sind bereits die inneren Stämme sichtbar, und auf diese hat es Anderegg abgesehen: «Ich möchte den Baum ‹öffnen› und dessen Charakter freilegen.» Der Fachmann durchtrennt die unerwünschten Stämme und Äste mit der Säge von unten nach oben, damit deren Holz und Rinde durch das Eigengewicht nicht einreissen. Schnittstellen, die 4 cm und mehr messen, werden versiegelt, damit sie keine Eintrittsstellen für Baumpilze bilden.

Raum gewinnen
Doch die Schirmform ist noch nicht vollendet. Die Äste der inneren Stämme hängen noch zu sehr herab – schliesslich soll man sich später unter dem bäumigen Schirm aufhalten können. Also geht Anderegg mit Fuchsschwanz und Baumschere an die Feinarbeit.

Und fertig ist der Magnolienschirm. Er wirft einen schönen, runden Schatten und bietet unterhalb der Krone Platz für einen Gartentisch mit Stühlen.
Und fertig ist der Magnolienschirm.
Und zum Schluss die Krönung
Der Schnittspezialist steigt auf die Bockleiter und nimmt sich die Krone vor. Mit einer Baumschere mit Seilzug verpasst er ihr eine gleichmässige, gewölbte Form – und fertig ist der Magnolienschirm! Er wirft einen schönen, runden Schatten.

Und das Beste daran: Es wurde neuer Raum gewonnen, etwa für einen Gartentisch im Schatten.


Bilder: Markus Brupbacher, Andreas Anderegg

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